Einer Pressemeldung zufolge startete das E-Commerce-Startup Coolshop (Cool Media GmbH) in Salzburg schon 2015 in Kooperation mit den Salzburger Nachrichten. Das Medienhaus habe sich demnach am Startup beteiligt. Wie auch in Deutschland Simply Local bzw. Locafox auf vertrieblicher Ebene ein Medienkooperationsmodell verfolgen, wollte man mit der Reichweite eines lokalen bzw. regionalen Zeitungsverlags auch in Salzburg Händlern die Präsenz auf einem regionalen Online-Marktplatz schmackhaft machen. Diese Kooperation scheint allerdings nicht mehr zu existieren.

Bewertung durch localcommerce.info

Gelungene Umsetzung

Der Marktplatz ist handwerklich gut gemacht. Der Betreiber Cool Media kann hier als E-Commerce-Dienstleister mittlerweile auf ein breites Erfahrungsspektrum zurückgreifen. Als einer der wenigen regionalen und lokalen Online-Marktplätze macht Salzburg-Shop.at auch den EU-weiten Versand möglich – allerdings zu entsprechend hohen Portokosten. Ob die beteiligten Händler davon profitieren, wird nicht zuletzt aber am Budget für das Suchmaschinen-Marketing entschieden.

Optimierungsbedarf

Sicherlich muss sich der Marktplatz jenseits einer EU-weiten Online-Kundschaft mehr online-lokale Relevanz über SEO-Maßnahmen erarbeiten, um auch entsprechende RoPo-Effekte (Research online, purchase offline) zu erzielen. Bei lokal kontextualisierten Suchbegriffen (z. B. „Salzburg Schuhe“) bleibt das Sortiment auf Salzburg-Shop.at weit unter dem Radar.

Auch bei der Darstellung der einzelnen Händlerprofile wünscht man sich mehr Persönlichkeit durch ansprechende Portraits. Zudem wird die Verortung der Händler wird nicht auf den ersten Blick sichtbar. Händler aus der Region um Salzburg sind definitiv unterrepräsentiert.

Die Möglichkeit „Fragen zum Produkt“ über ein Online-Formular stellen zu können ist sinnvoll. Allerdings wäre hier eine Chatfunktion sicherlich zeitgemäßer. Schade ist auch, dass nicht alle beteiligten Händler von der Reservierungsfunktion Gebrauch machen. Und sicherlich täten einem regionalen Online-Marktplatz mehr „Local-Glamour-Produkte“ und lokale Spezialitäten gut. Denn nicht zuletzt eignen sich regionale Marktplätze auch, um im touristischen Umfeld zu punkten.

Bei der Facebook-Kommunikation ist man mit wöchentlichen Posts relativ sparsam. Hier verleitet ein „Tipp der Woche“ eben auch nicht zu mehr Anstrengungen. Es macht nur allzu deutlich, dass Salzburg-Shop.at, was die Ressourcen angeht, auf Sparflamme läuft.

In ersten Medienberichten war von 60 beteiligten Händlern in Salzburg und 100.000 verfügbaren Produkten die Rede. Diese Zahlen können (siehe rechte Spalte) aktuell nicht verifiziert werden. Auch ist der Marktplatz nicht mehr unter der Internetadresse Shopsalzburg.at erreichbar, sondern unter Salzburg-Shop.com. Erstere führt jetzt auf die Startseite der Salzburger Nachrichten.

Es ist also davon auszugehen, dass Coolshop – wie auch seinerzeit der deutsche Infrastrukturgeber atalanda – in Salzburg Probleme bei der Händler-Akquise hat. Die Salzburger Nachrichten (und einige Händler) wiederum – so scheint es – haben sich mehr vom Ansatz eines regionalen Online-Marktplatzes erhofft. Einmal mehr wird hier deutlich, dass digitale City-Initiativen im City-Management oder Stadtmarketing verankert gehören. Der „Kümmerer 2.0“ ist dann aber kein Anzeigenverkäufer oder Vertriebler einer E-Commerce-Plattform, sondern verantwortlich für das Veränderungsmanagement einer lokalen bzw. regionalen HändlerGEMEINschaft, die an die Chancen der Digitalisierung herangeführt werden will.

Fazit

Insbesondere das Altstadtmarketing von Salzburg überzeugt immer wieder mit guten (auch digitalen) Ideen – hier wäre eine Kooperation sicherlich besser aufgehoben gewesen als in der Anzeigenredaktion eines Verlages.