Lozuka, ehemals Lokaso, bezeichnet sich als „regionales Webkaufhaus“ und wurde von der billiton internet services GmbH entwickelt. Der lokale Online-Marktplatz mit Händlern der Kreisstadt Siegen ist seit September 2016 online.

Vom Marktplatzbetrieb bis zur Auslieferung bietet Lozuka alles aus einer Hand. Das Unternehmen, das sein Modell 2018 auch in anderen Städten bzw. Regionen ausrollen wird, hat – wie zuletzt auch atalanda – ordentlich das Buchsortiment aufstocken können. So fanden sich gut ein halbes Jahr nach dem Launch bereits über 600.000 Produkte auf dem Online-Marktplatz. Heute (Stand: Januar 2018) machen Bücher 98 Prozent des Online-Sortiments aus.

Gegenüber der WAZ äußerte sich billiton-Geschäftsführer Patrick Schulte zufrieden mit der Startphase: „Innerhalb von 14 Tagen verzeichnen wir bereits 100 Bestellungen und 200 registrierte Käufer“, so Schulte. Vom Start weg konnten rund 20 Händler und Dienstleister aus der 100.000-Einwohner-Stadt Siegen in Nordrhein-Westfalen auf dem Online-Marktplatz versammelt werden. Mittlerweile (Stand: Januar 2018) sind es 37 Online-Profile. Weitere Teilnehmer befinden sich im Onboarding-Prozess. Laut Pressemitteilung wurde nach 145 Tagen Marktplatzbetrieb die 1000. Bestellung von Kunden abgewickelt.

Den durchschnittlichen Warenkorbwert bezifferte der Betreiber im Januar 2017 auf 32 Euro, damit hat er sich seit dem Start nahezu verdoppelt. An den händlerübergreifenden Bestellungen sind laut billiton internet services im Schnitt 1,81 Einzelhändler beteiligt (Quelle: e-commerce Magazin, 27.02.2017).

In der Westfalenpost vom 25. August 2017 werden nach gut einem Jahr Betrieb des lokalen Online-Marktplatzes insgesamt 3.000 Bestellungen bei einem Gesamtumsatz von 75.000 Euro genannt.

Auf dem Symposium Lozuka.Connect am 17. Januar 2018 bezifferte Lozuka-Geschäftsführer Thimo Eckel die Gesamtbestellungen seit Start auf 3.900 Mischwarenkörbe (6.800 Einzelbestellungen). Der durchschnittliche Warenkorbwert pro Händler liegt aktuell bei 15 Euro und mit Blick auf den gesamten Warenkorbwert pro Kunde bei 27 Euro. Dies entspricht nach Aussage von Eckel einem Gesamtumsatz von 92.000 Euro, der bisher für die Region gebunden wurde. Durchschnittlich finden sich Waren von 1,9 Lokaso-Händlern in den ausgelieferten Bestellungen.

Trotz technischer Möglichkeit werden kaum „Click & Collect“-Bestellungen registriert, was vor allem auf das Angebot der kostenfreien Lieferung zurückgeführt wird. Die Wiederbestellerrate liegt bei 75 Prozent.

Bewertung durch localcommerce.info

Gelungene Umsetzung

Mit einem eigenen Lieferservice und bisher kostenfreier taggleicher Lieferung bei zwei täglichen Lieferzeitfenstern von Montag bis Samstag grenzt sich Lozuka weitestgehend von anderen Marktplatzmodellen ab. Das Liefergebiet umfasst Siegen und Umgebung (bis 20 Minuten Ausfahrtzeit ab Statdtzentrum). Eine Reservierungsfunktion zur Abholung im Geschäft ist ebenfalls gegeben.

Auf eine weitestgehend einheitliche Qualität der Produktbilder wurde geachtet. Die Anbindung von Warenwirtschaftssystemen steht im Vordergrund, auch wenn in der Anfangsphase offensichtlich viele Händler „nur“ manuell Produkte listen. Mit einer Schnittstelle zum Systempartner JTL setzt man auch auf Open Source im Bereich Warenwirtschaft. Mittlerweile ermöglicht Lozuka aber 20 standardisierte Anbindungen an unterschiedliche Warenwirtschaftssysteme.

Ein Google Product Feed kann per XML eingebunden werden. Und mit einem umfangreichen Buchsortiment hat man nun zumindest quantitativ einen Meilenstein erreicht und über eine halbe Millionen Titel verfügbar.

Der Online-Shop wirkt sehr aufgeräumt, grafisch ansprechend und nicht zu „hip“. Neben der obligatorischen Produktsuche nach Stichwörtern sind mit den Untermenüs „Kategorien“, „Teilnehmer“ und „Themenenwelt“ die wichtigsten Einstiegsseiten für unterschiedliche Nutzer-, Kauf und Stöberinteressen gegeben.

Das Kategorien-Browsing wird durch Icons erleichtert. Auch geht man sehr transparent mit – mangels eingestellter Artikel – noch nicht befüllten Kategorien um. Um das Henne-Ei-Problem einer ordentlichen Sortimentsbreite abzufedern, setzt man anfangs stark auf regionale Produkte und Siegener Spezialitäten.

Die Retourenhandhabung ist kundenfreundlich, da binnen sieben Tagen ab Kaufdatum eine kostenfreie Rücksendung möglich ist. Über das Lozuka-Kundenkonto kann ein entsprechender Auftrag an den Lieferdienst zur Abholung der zu retournierenden Ware erstellt werden.

Mit der „Guten Fee“ ist Lozuka definitiv ein rhetorisch spitzfindiges wie funktionell zielführendes Serviceelement für lokale Online-Kunden gelungen. Das „Gute Feen Team“ steht Usern nicht nur per Live-Chat als Ansprechpartner zur Verfügung, sondern kümmert sich auch um spezielle Produktwünsche oder erledigt den Einkauf.

Ebenso sehr ansprechend ist der Grundtenor des Projektes. Ohne den moralischen Zeigefinger „Kauft lokal!“ überzustrapazieren, versteht sich Lozuka als regionales Gemeinschaftsprojekt, das natürlich lokale Kaufkraft binden, aber eben auch mit der Spende eines Anteils am Warenkorbwert soziale Projekte der Region unterstützen möchte. Nutzer können sogar spendenwürdige Projekte einreichen.

Weitere lokale Unternehmen und Institutionen sind als Partner des noch als Pilotprojekt titulierten Marktplatzes angegeben. Die Sparkasse Siegen ist mit dem Online-Bezahlverfahren Paydirekt beteiligt. Auch das ein Bekenntnis zum regionalen Wirtschaftskreislauf.

Optimierungsbedarf

Bei der Darstellung der Händlerprofile wünscht man sich durchgängig mehr Persönlichkeit. Auf der Teilnehmer-Einstiegsseite (mit den Logos der Unternehmen) sind keine Personen zu sehen und nicht alle Händler-Profile gehen über reine Shopansichten hinaus.

Der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung wird nach Stichproben durch localcommerce.info (noch) nicht konsequent Rechnung getragen. Gleiches gilt für die Angabe des Grundpreises pro Mengeneinheit. Dies erhöht die Abmahngefahr – trotz Kooperation mit regionaler Rechtsanwaltskanzlei.

In der Akquise-Broschüre wählt man zuweilen etwas arg verharmlosende Formulierungen wie „Komfortable Abwicklung: Entspannt Produkte pflegen und versenden“. Jeder Händler und Kümmerer, der bereits E-Commerce-Prozesse kennengelernt hat, weiß, wie aufwendig der Aufbau von konsistenten Produktdaten und qualitativ hochwertigen Bildern ist – insbesondere dann, wenn nicht auf Großdatenbanken zurückgegriffen werden kann. Die Frustrationsgefahr für allzu naive Neueinsteiger aus dem inhabergeführtem Handel ist dann leider hoch.

Fazit

Lozuka versteht sich als „regionales Gemeinschaftsprojekt“, das die Digitalisierung als Chance wahrnimmt. Mit einem nicht allzu übermodischen Webshop und einer guten Usability versucht man auch ältere Menschen zu erreichen. Man hat mit einem Feldtest im Vorlauf Erfahrungen sammeln und sicherlich in Optimierungen umsetzen können. Die Systemarchitektur wirkt durchdacht. Offensichtlich hat man die Wettbewerber im Local-Commerce-Markt gut studiert.

Mit zur Zeit 149 Euro monatlicher Grundgebühr und 7 Prozent Beteiligung am Online-Bruttoumsatz liegt Lozuka definitiv im oberen Preisbereich. Ob sich die Investition für Teilnehmer aus Handel und Dienstleistung lohnt, werden die nächsten Monate zeigen, wenn Lokaso auch mit Marketingmaßnahmen im Printbereich startet. Das Risiko für Händler hält sich nicht zuletzt wegen einer nur 1-monatigen Kündigungsfrist in Grenzen.

Dem Rollout in weiteren Städten und Gemeinden der Region und darüber hinaus stehen keine technisch-konzeptionellen Hürden im Wege, zumal man auch vertrieblich mit Broschüre, eigener B2B-Website und einem offensichtlich gut bestückten Team Lozuka nach vorne bringen möchte.