Nach dem Siegeszug von Grüner Wiese und Fachmarktlage wurde deutlich, dass die Stadt zwar den Handel, der Handel aber nicht die Stadt braucht. Heute ist die nicht weniger beunruhigende Bestandsaufnahme: Der stationäre Handel braucht das Internet, das Internet aber nicht den stationären Handel – zumindest nicht zwingend. Die Vertriebshoheit des innerstädtischen Handels ist passé.

Der Handel steht vor einem fundamentalen Paradigmenwechsel: Kaufen war lange Zeit gebunden an die „Aufenthaltspflicht“ des Kunden im Laden, auf dem Marktplatz oder in der Einkaufsstraße. Dies brachte den umliegenden Händlern und Marktbeschickern nicht nur Frequenz und direkt adressierbare potenzielle Laufkundschaft, sondern es machte aus dem Einkaufen eine Kulturtechnik: Das Shopping. Flanieren, Sehen-und-gesehen-werden und der spontane Kaufimpuls sind die Eckpfeiler der Konsumkultur des 20. Jahrhunderts. Zweifel sind angebracht, ob sie es auch im 21. Jahrhundert bleiben.

Denn aus der Aufenthaltsplicht ist nun mit der Evolution des Distanzhandels – vom Katalogversand über das TV-Shopping bis zum E-Commerce – die stationäre „Kaufkür“ des Kunden geworden. Um es anders zu formulieren: Einkaufen ist nicht zuletzt mit den neueren digitalen Endgeräten wie Tablets und Smartphones derart bequem geworden, dass sich stationäre Händler und Städte einiges mehr einfallen lassen müssen, um Kunden vom heimischen Sofa, also vom „Couch-Commerce“, in die Innenstädte zu locken.

Eines ist klar: Verkaufsoffene Sonntage alleine werden es nicht richten.

Dieser Artikel wurde am 6. Juni 2018 erstmals in einer Kolumne für den Netzwerkpartner der Local Commerce Alliance „Die Umdenker“ publiziert. Das Unternehmen betreibt die appbasierte Informations- und Kommunikationsplattform CityKit in der Westpfalz.