Es ist bedauerlich, dass dem KIEZKAUFHAUS in Bad Honnef nur ein mäßiger Launch des lokalen Online-Marktplatzes gelingt. Gerade einmal zehn Händler sind seit dem gestrigen Start auf der Seite zu finden, nur vier davon präsentieren Produkte. Online-Bestellungen und die Lieferung sind dennoch noch nicht möglich.

Aus Projektmanagementsicht ist es ein Supergau – die Presse wird das mit immerhin 200.000 Euro unterstützte Projekt (50 % Förderquote) genüsslich zerfleischen und wieder einmal ein schlechtes Licht auf prinzipiell sehr vernünftige digitale Ansätze des Innenstadthandels werfen. Aber wer hat wirklich „schuld“ an dem fachlich suboptimalen Erstauftritt in Bad Honnef?

  • Kamen die Entwickler nicht hinterher, einen im Grunde technisch banalen Multi-Vendor Online-Shop auf die Beine zu stellen, wie es die Mitteilung zum Start des Marktplatzes nahelegt?
  • Wollte man einfach zu viel auf einmal: Whitelabeling, Wawi-Anbindung, Check-out, taggleiche Lieferung, Händler en masse?
  • Sind es Probleme im Backend, die Schnittstellen zu unterschiedlichen Warenwirtschaften, die den Zeitplan über den Haufen werfen?
  • Bocken die Händler vor Ort wieder einmal wie störrische Esel, mit einer überschaubaren finanziellen Eigenleistung kooperativ ins online-lokale Geschäft einzusteigen und ihre digitale Sichtbarkeit zu erhöhen?
  • Hat man den Aufwand des Veränderungs- und Kooperationsmanagements in der Stadt unterschätzt (dazu gehört auch die notwendige Mund-zu-Mund-Beatmung beim Onboarding der Händler)?
  • Konnte man noch keinen risikobereiten Kurier finden, der in der Startphase des lokalen Online-Vertriebs mit wenig Lieferaufkommen rechnet und trotzdem auf den Erfolg des Projekts setzt?

Oder bleibt man in Bad Honnef einfach cool und schaukelt das Pferd gelassen in die nächste Projektstufe, die da heißt: Optimierungsphase?

Großstädtische Idee trifft Provinz

Prinzipiell bin ich der Meinung, dass das großstädtische Mindset, das hinter dem Kiezkaufhaus steckt, nur bedingt auf die – sorry – Provinz im Rhein-Sieg-Kreis übertragbar ist. Immerhin aber ist nun klar, dass die kleine Schwester des KIEZKAUFHAUSES Wiesbaden mit einer anderen Frontendlösung daherkommt, was die Darstellung der Produkte anbelangt. Damit möchte man natürlich auch die Grundlagen für die Anbindung weiterer Städte legen. Für die erste in Wiesbaden noch greifende Lösung heimste der Initiator, die Werbeagentur Scholz & Volkmer, einen Design- bzw. Ideenpreis nach dem anderen ab. Ausgerechnet nun, wo man in Bad Honnef eine recht klassische Darstellung für einen lokalen Online-Marktplatz gewählt hat, ist der Wurm drin.

Die einzig positive Meldung zum Start ist die Eröffnung des „Kiezlädchens“ in der Honnefer Innenstadt, das nun als zentrale Anlauf- und Informationsstelle des Online-Marktplatzes fungiert. Perspektivisch sollen hier auch kuratierte Sortimente der teilnehmenden Händler präsentiert werden.