Der lokale Online-Marktplatz KIEZKAUFHAUS, der bereits im April 2015 in Wiesbaden gestartet ist, wurde Ende Mai 2018 mit dem Wiesbadener Umweltpreis geehrt. Warum ist diese Meldung eine Meldung wert? An der Höhe des Preisgeldes liegt es nicherlich nicht, sondern weil endlich auch von öffentlicher städtischer Seite die Anstrengungen der Kiezkaufhaus-Macher*innen gewürdigt werden. 

Denn das als „Shared Value“-Projekt der Werbeagentur Scholz & Volkmer initierte Modell gehört zu den Vorreitern im Local Commerce hierzulande. Die CO2-freie Lieferung mittels Cargo-Bikes war von Anfang an fester Bestandteil des Vertriebskonzepts für den inhabergeführten Einzelhandel in der hessischen Landeshauptstadt. Anders als in anderen Local-Commerce-Initiativen steht hinter dem KIEZKAUFHAUS (bisher) allerdings kein breites Bündnis aus lokaler Werbegemeinschaft, IHK, Stadtmarketing, Wirtschaftsfördeurng oder Citymanagement.

In der Pressemitteilung der Stadt wird Andreas Kowol, Dezernent für Umwelt, Grünflächen und Verkehr, nun folgendermaßen zitiert:

„Der Online-Shop hat die Umweltpreis-Jury überzeugt, denn hier werden Produkte von inhabergeführten lokalen Händlern und Herstellern angeboten und Einkäufe mit Lastenfahrrädern emissionsfrei und klimaschonend zum Kunden geliefert – Luftschadstoffe? Fehlanzeige! Das ist zukunftsweisende Logistik.“

Auch das KIEZKAUFHAUS hat mit dem „Prophet im eigenen Land“-Problem zu kämpfen, mit dem auch konzeptionell durchaus durchdachte digitale City-Initiativen zurecht kommen müssen (siehe hierzu Kap. 5.5 im Buch „Local Commerce“).

Die Frankfurter Rundschau nimmt die Preisverleihung zum Anlass, um auch den Status quo der lokalen Shopping-Plattform aufzugreifen:

  • das KIEZKAUFHAUS zählt demnach 1.300 Kunden aus Wiesbaden
  • täglich werden 15 bis 20 Bestellungen aufgegeben (ab 30 Bestellungen ist das Modell wirtschaftlich tragfähig)
  • das Sortiment umfasst mittlerweile – neben dem Schwerpunkt Lebensmittel – auch Eisenwaren, Blumen, Bücher und Büroartikel
  • der Betreiber Scholz & Volkmer will bis Ende 2018 an diese Marke herankommen und fokussiert auch auf B2B-Kunden (etwa Büros in der Landeshauptstadt)
  • vom Land Hessen erhielt das KIEZKAUFHAUS eine Unterstützung, um die IT zu optimieren
  • in der nordrhein-westfälischen Stadt Bad Honnef wird das KIEZKAUFHAUS erstmals als Infrastrukturgeber jenseits von Wiesbaden auftreten
  • ob man auch in die „Digitalstadt Darmstadt“ einen Fuß gestellt bekommt, konnte die FR noch nicht in Erfahrung bringen

Letzter Aspekt ist besonders interessant, da sich eBay bereits als Partner der von der BITKOM gekürten „Digitalstadt Darmstadt“ positioniert hat und dort nun sein eBay-City- bzw. „lokal & digital“-Programm greifen lässt.