Im Rahmen des Projekts E-Commerce-Leitfaden veröffentlichte die Forschungseinrichtung ibi research an der Universität Regensburg GmbH im April 2018 eine Studie mit dem Titel „Lokale Initiativen zur Digitalisierung des Handels – Status quo und Erfolgsfaktoren“.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie werden von den Autoren in der Management Summary auf Seite 7 folgendermaßen umschrieben:

• Lokale Initiativen zur Digitalisierung des Handels können einen Beitrag leisten, die Zukunft der stationären Einzelhändler und die der Innenstädte zu sichern.
• Dieser Beitrag und der Erfolg einer Initiative hängen von einigen Faktoren und Rahmenbedingungen ab.
• Ausgewählte kritische Erfolgsfaktoren sind: Kümmerer vor Ort, gemeinsam getragene Konzepte, solide Finanzierungsgrundlage, hohe Aktualität und Qualität der Daten auf der Plattform.
• Lokale Online-Marktplätze sind derzeit weder ein Massenphänomen noch ein Allheilmittel.
• Mit Hilfe eines lokalen Online-Marktplatzes kann aktuell eher die digitale Sichtbarkeit als der Produktabsatz erhöht werden.

Mir freilich sind diese Erkenntnisse nicht neu und ich begrüße natürlich den positiven Grundtenor in der Bewertung der Anstrengungen von digitalen City-Initiativen. Dennoch müssen auch diese Ergebnisse kritisch hinterfragt werden. Das Dilemma auch dieser Untersuchung nämlich ist: Eine Aussage wie „60 % der Befragten sind mit ihrem lokalen Online-Marktplatz zufrieden bis sehr zufrieden“ ist wenig hilfreich, wenn dazu nur insgesamt 15 bis 18 Händler, noch dazu aus unterschiedlichen Initiativen befragt wurden.

Denn eine solche Aussage müsste natürlich vor dem Hintergrund des jeweiligen Engagements des befragten Händlers stattfinden (gleiches habe ich auch an der leider viel zu oft von Journalisten zitierten „Studie“ aus Koblenz kritisiert). Wie viele Produkte bringt der Befragte auf den Online-Marktplatz? Sind sie per Schnittstelle zur Warenwirtschaft gelistet oder werden sie manuell eingebracht? Steht gar eine Verbundgruppe oder ein Lieferant mit einer Großdatenbank im Hintergrund der Local-Commerce-Infrastruktur? Welche Anstrengungen werden vom Infrastrukturgeber selbst oder dem Projektträger vor Ort in Sachen (Dach-)Marketing unternommen? Etc. Mit dem vorliegenden Forschungsdesign der ibi research können die Erfolgsfaktoren lokaler Online-Marktplätze nicht wirklich differenziert werden.

Es ist doch mehr als deutlich, dass sich auf lokalen Online-Marktplätzen, was technische Anbindung und Produktdatenniveau anbelangt, (noch) viel zu heterogene Anbieter bewegen. Eine Befragung von Händlern müsste also in erster Linie die technisch-konzeptionellen Hintergründe der jeweiligen Online-Präsenz und selbstverständlich auch die des gesamten Online-Marktplatzes mitberücksichtigen. Allenfalls werden Journalisten auch weiterhin Äpfel mit Birnen vergleichen, da Forschungseinrichtungen hier selbst Kategorienfehler begehen.

Dennoch: Die vorliegende Studie liefert brauchbare Erkenntnisse und kann dazu beitragen, die Scheu von Städten und Innenstädthändlern vor gemeinschaftlichen Digitallösungen zu mindern.


Lokale Initiativen zur Digitalisierung des Handels
Status quo und Erfolgsfaktoren

Autoren: Bernhard Geisberger, Michael Diener, Dr. Ernst Stahl
112 Seiten, April 2018
ISBN: 978-3-945451-51-9

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