Ankündigungen und Pressemitteilungen zu erwartungsvollen Kooperationen zwischen Verlagen und Infrastrukturgebern im Umfeld digitaler City-Initiativen sind schnell geschrieben, deren tatsächliche Umsetzung bleibt jedoch schwierig. Dies zeigt sich gegenwärtig einmal mehr bei „Velbert bei eBay“, das die vermeintliche Erfolgsstory „Mönchengladbach bei eBay“ mit einer Vertriebsmannschaft aus der FUNKE Mediengruppe fortschreiben sollte. Nun ist die Partnernennung auf dem eBay-City-Portal stillschweigend verschwunden.

Ist der inhabergeführte Einzelhandel in der Breite wirklich nicht „digitalisierbar“ oder liegt der mutmaßliche Rückzug des Medienhauses aus den Local-Commerce-Gefilden an den überzogenen Umsatzvorstellungen der Verlage? Abgesehen davon, dass man sich in Velbert offensichtlich handwerkliche Fehler im Projektmanagement geleistet hat, bleibt unterm Strich nur eine Erklärung: Im Strukturwandel des Mediengeschäfts Geld mit einer Anspruchs- und Zielgruppe (inhabergeführter lokaler Handel) zu verdienen, die ihrerseits im Strukturwandel steckt, das kann nicht gut gehen.

Auch andere Medienhäuser haben bereits die Reißleine gezogen. Der Südkurier beispielsweise hat sein Schaufensterportal „LieblingsLaden“ geschlossen. Redlich allerdings wäre es, wenn man auch über das Scheitern sprechen würde, als immer nur die eigene Mediareichweite zur Ankündigung von Online-Projekten zu nutzen – erst recht, wenn darin auch städtische Organisationen oder das stadtnahe Stadtmarketing verwickelt sein sollten.

Mindestens aber darf man von einem regionalen Handelsverband, der sich in Velbert ebenfalls ins Boot der Partnerschaft gesetzt hat, eine Stellungnahme erwarten. Schließlich wurde „eBay City“ schon im März 2017 von höchster Stelle, dem HDE, in vorauseilender Entscheidung als die vermeintlich bessere Wahl für vertriebsorientierte digitale City-Initiativen empfohlen.