Im Herbst 2017 startete die Europäische Kommission den Aufruf „Digital Cities Challenge“. Nun stehen die Gewinner-Städte für die Smart-City-Förderkulisse fest. Bedauerlich dabei: Keine einzige deutsche Stadt findet sich unter den Geförderten. Beim auserwählten italienischen L’Aquila findet die geplante Smart-City-Strategie ohne eBay statt.

Zu den Wettbewerbsgewinnern zählen u. a. drei spanische (Alcoy, Algeciras und Granada) und drei griechische Städte (Kavala, Patras und Thessaloniki). Alle Städte finden sich in einer Übersicht auf der begleitenden Website www.digitallytransformyourregion.eu.

Auch wenn der Fokus auf umfassenderen Smart-City-Strategien und nicht nur auf der Digitalisierung des lokalen Handels liegt, ist die Wahl der einzigen italienischen Stadt im Kontext von Local Commerce interessant. Es handelt sich um die abruzzesische Hauptstadt L’Aquila, bei der eBay etwa zeitgleich zum Pilotprojekt „Mönchengladbach bei eBay“ einen ersten Versuch in Italien unternahm, dem lokalen Handel unter die Arme zu greifen (sie Initiative „eBay adotta L’Aquila“).

Setzt sich eBay nur noch in gemachte Nester?

Das damals gut gemeinte Projekt darf als gescheitert betrachtet werden und auch in der neuen Smart-City-Ausrichtung der seinerzeit durch ein verheerendes Erdbeben betroffenen Abruzzenmetropole scheint eBay keine Rolle mehr zu spielen. Die geplanten Digital-Maßnahmen der Stadt L’Aquila sollen entlang eines sog. „Quadruple Helix Model“ ausgerichtet werden, in dem gleichermaßen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Unternehmen und Verwaltung gemeinsam die digitale Zukunft der Stadt mitgestalten.

Anders verhält es sich ja in Deutschland, wo eBay sich gerade als Partner der von der BITKOM gekürten „Digitalstadt Darmstadt“ positioniert hat und dort nun sein eBay-City- bzw. „lokal & digital“-Programm greifen lässt. Unlängst fand dazu eine Infoveranstaltung in der südhessischen Großstadt statt. Als „eines von mehreren Projekten im Bereich Handel“, wie es auf der Website heißt, soll der Marktplatzbetreiber stationäre Einzelhändler der Stadt ins Netz bringen (zur Kritik an eBays Bestrebungen finden Sie hier mehr). Auch das Darmstädter Citymarkting unterstützt das Vorhaben.

EU-Coaching-Programm wird aus Mitteln des COSME-Fonds finanziert

Beim „Digital Cities Challenge“ handelt es sich um eine Initiative, bei der Verantwortliche in Städten und Gemeinden nach erfolgreichem Durchlaufen eines Bewerbungsverfahrens nun an einem 14- bis 18-monatigen Coaching-Programm zur Meisterung der digitalen Transformation teilnehmen können. Das Programm wird mit Mitteln des COSME-Fonds (Programm für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und für kleine und mittlere Unternehmen) umgesetzt.

Das förderungswürdige Maßnahmenspektrum reicht dabei von infrastrukturellen Digital-Projekten bis hin zur Start-up-Clusterbildung in Städten. Entscheidend bei der Ermittlung der Gewinnerstädte war, dass es sich hier nicht um einen Wettbewerb der europäischen Großstädte handelt. Die Standortgröße wurde bewusst ausgeklammert.