Im Oktober 2018 knackte das digitale Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de die Marke von 1 Millionen Nutzer*innen. Und langsam aber sicher macht sich das vermeintlich philanthropisch veranlagte Betreiberunternehmen, die Good Hood GmbH, auch an Erlösmodelle.

Noch 2018 launchte man eine Funktion für Gewerbeprofile, mit denen man etwa als Händler*in in den 7.000 aktiven Nachbarschaften Sichtbarkeit erzeugen und letztlich Werbung schalten kann.

Ich bin sehr gespannt, wie sich nebenan.de 2019 weiterentwickeln wird und ob es ein relevanter Akteur für regionale Wertschöpfung auf digitalem Fundament sein kann. Viel wird davon abhängen, ob die Nutzer*innen die „Kommerzialisierung“ des Netzwerks goutieren.

Auch Stadtmarketingorganisationen, Vereine oder Behörden können sich theoretisch dem Netzwerk anschließen. Inwieweit nebenan.de imstande ist, partizipativen Online-Formen des Bürgerdialogs, kooperativer Stadtentwicklung oder eben der digitalen Nachbarschaftshilfe – alles Urträume des Web 2.0 – wirklich zum Durchbruch zu verhelfen, bleibt offen. Eine zunehmende Social-Media-Müdigkeit, steigende Datenschutzbedenken und letztlich die fehlende kritische Masse jenseits von Großstädten machen es dem u. a. vom Burda Verlag finanzierten Unternehmen nicht einfach – könnten aber auch eine gute Ausgangsposition sein, um sich noch stärker von Facebook & Co. abzugrenzen.