Am 10. April 2018 veranstaltete die Local Commerce Alliance (LCA) eine englischsprachige Podiumsdiskussion samt Besuche bei Händlern der „Online City Wuppertal“. In den Wuppertaler „Kontakthof“ in Elberfeld waren über 25 dänische Akteure aus Citymanagement-Organisationen und kommunalen bzw. digitalstrategischen Beratungsinstitutionen gekommen. Ein Kurzbericht zu den „Local Commerce Talks“. 

Co-Veranstalter und Gastgeber des LCA-Veranstaltungsformats war die Wirtschaftsförderung Wuppertal, die 2013 die bekannteste deutsche digitale City-Initiative als Projektträger auf den Weg brachte. Das „Lifestyle & Design Cluster“ organisierte den Besuch der Delegation in der Schwebebahnstadt von Dänemark aus.

Paneldiskussion mit Tiefe

Intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung und Stadt im Rahmen der Paneldiskussion, Foto: Wifö Wuppertal
Intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung und Stadt im Rahmen der Paneldiskussion, Foto: Wifö Wuppertal

Nach einleitenden Vorträgen der Wirtschaftsförderung und des LCA-Gründers Andreas Haderlein war die Paneldiskussion zentraler Programmpunkt des Vormittags. Auf dem Podium saßen drei Vertreter von Local-Commerce-Infrastrukturgebern: Michael Volkmer vom Kiezkaufhaus, Richard Röhr von atalanda, Patrick Schulte von Lokaso. Als indirekter Vertreter der „Future City Langenfeld“ war Alexander Strieder anwesend. Er begleitet dort mit seinem Unternehmen QDEGA Loyalty Solutions die technische Umsetzung des sog. Stadtschlüssels und wird wahrscheinlich auch bald mit einem Gutscheinportal (Schenk lokal) in Köln starten.

In der mit „Different approaches, same direction?“ übertitelten und von Andreas Haderlein moderiereten Diskussion kamen zahlreiche Aspekte zur Sprache, die den Zuhörern aus Dänemark die Tücken und Chancen lokaler bzw. regionaler Online-Marktplätze anschaulich vor Augen führten. Die Diskussion fand auf einem hohen inhaltlichen Niveau statt, zumal reichlich Raum für Fragen aus dem Publikum gegeben war. Die eine oder andere Parallele zu dänischen Verhältnissen konnte gezogen werden – wenn auch die meisten der anwesenden Citymanager in Klein- bzw. Mittelstädten tätig sind. Klar wurde jedoch auch, in Dänemark gibt es bisher noch keine vergleichbaren Ansätze wie die Einzelhandelsförderungsinitiative der Schwebebahnstadt auf Basis eines lokalen Online-Marktplatzes mit Shop-Infrastruktur.

Store Visits – Informationen aus erster Hand

Am Nachmittag standen Besuche bei OCW-Händlern an – Gelegenheit auch für den Einkauf von Souvenirs, Fotos: LCA, Wifö Wuppertal
Am Nachmittag standen Besuche bei OCW-Händlern an – Gelegenheit auch für den Einkauf von Souvenirs, Fotos: LCA, Wifö Wuppertal

Am Nachmittag besuchte die Delegation drei Händler der „Online City Wuppertal“, um sich auch dort aus erster Hand Erfahrungen mit digitalem Dachmarketing, online-lokaler Relevanzsteigerung oder – ganz praktisch – mit der Produktfotoerstellung und Bestellabwicklung der taggleichen Lieferung schildern zu lassen. Perfekter Fremdenführer auf dem Weg zu den Händlern quer und um Wuppertal war Martin Lietz von der Wirtschaftsförderung, der in unnachahmlicher Weise den Wirtschaftsstandort Wuppertal vorstellte (und nicht zuletzt einen Bus organisierte, weil die Schwebebahn bestreikt war).

Deutschland – ausnahmsweise Vorreiter bei der „Neuland“-Erschließung

Die ausdauerenden dänischen Citymanager*innen, Digitalberater*innen und Change-Manager*innen machten sich dann am Abend nach einem wunderbaren letzten Stopp bei Boda Weinhaus im Wuppertaler Luisenviertel weiter nach Belgien. Bei ausgezeichnetem Wein und von Inhaber Peter Bothmann persönlich zubereiteten Speisen lieferte Dr. Marco Trienes zuvor jedoch noch beeindruckende Zahlen zur Einzelhandelsentwicklung in Wuppertal. Der Wirtschaftsgeograph ist seit Februar 2017 in der Wirtschaftsförderung der Schwebebahnstadt verantwortlich für Investorenbetreuung Einzelhandel und Gewerbeflächen.

Die dänische Delegation in Wuppertal, Foto: LCA
Die dänische Delegation in Wuppertal, Foto: LCA

Was nehmen die Teilnehmer der Delegation aus Dänemark mit? Sie können die Tücken und Chancen eines lokalen Online-Marktplatzes besser einschätzen und wissen, dass digitale City-Initiativen zwar etwas mit Technologie, aber ganz viel mit Veränderungsmanagement des inhabergeführten Einzelhandels und Kooperationsmanagement der städtischen Akteure zu tun haben. Und sie sind nach Wuppertal gekommen und nicht ins Silicon Valley, weil Deutschland tatsächlich zu den Vorreitern zählt, was Local-Commerce-Konzepte angeht. Ein Businesstrip zur „Mutter der lokalen Online-Marktplätze“ hierzulande lag deshalb nahe. Aber auch die community-getriebenen Ansätze des Wiesbadener Kiezkaufhauses, des mittlerweile auch mit Sozialeinrichtungen kooperierenden Lokaso-Marktplatzmodells in Siegen oder die Herangehensweise der „Future City Langenfeld“, die weitaus mehr in Richtung Smart City blickt als andere digitale City-Initiativen, haben bleibenden Eindruck hinterlassen.

Vielleicht finden sich bald auch andere Städte als Gastgeber und Anschauungsbeispiel. Die Local Commerce Alliance hilft gerne dabei, die Diskussion, den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von Akteuren voranzutreiben, die zielführende Lösungen und kooperative Modelle für starke digitale Städte und Regionen entwickeln, begleiten oder fördern.