Lokale Online-Marktplätze werden von Konsumenten hierzulande äußerst positiv wahrgenommen. Das zeigen die Ergebnisse des Consumer Barometers von IFH Köln und KPMG vom Dezember 2015.

In einer repräsentativen Umfrage unter 500 Bundesbürgern gaben 85 Prozent der Befragten, die einen lokalen Online-Marktplatz in ihrer Stadt oder Region kennen, an, das Angebot zu nutzen. Für 95 Prozent der Befragten ist es wichtig, über einen lokalen Online-Marktplatz Informationen zur Warenverfügbarkeit im stationären Geschäft zu erhalten. „Das Konzept ‚lokaler Online-Marktplatz‘ trifft den Nerv der Zeit“, so Mark Sievers, Head of Consumer Markets bei KPMG.

Bisher war „Local Commerce“ nur…

  • eine rhetorische Spitzfindigkeit (aus E- wird L-Commerce),
  • eine Kampfvokabel im Strukturwandel des stationären Einzelhandels (mit der bis vor einem Jahr die adressierten Händler – ob inhabergeführt oder filialisiert – noch am wenigsten anfangen konnten, weil Digitalisierung eben Anpassungsschmerzen verursacht),
  • ein Feldversuch (für den das nationale Pilotprojekt Online City Wuppertal und einige wenige andere Städte wie Mönchengladbach den Kopf hingehalten haben) oder
  • eine Provokation (für alle E-Commerce-Experten, die zu recht die Defizite eines Multi-Vendor Shops aka lokaler Online-Marktplatz mit den unterschiedlichsten Sortimenten und Händlertypen sehen, aber nicht verstanden haben, dass es sich hier um einen Moderationsprozess und weniger um die rein technische Umsetzung eines Online-Shops handelt. Denn: Technische Optimierung geht immer, das rote Tuch Internet aus dem Gesichtsfeld zu reißen, nur einmal!)

Mit dem Consumer Barometer des IFH Köln und KPMG ist auf jeden Fall klar, dass Local Commerce auch nicht am Kunden und Verbraucher „vorbei gedacht“ wurde. Zumindest nicht in Wuppertal. Denn von all den genannten Services in oben stehender Abbildung sind in Wuppertal nur drei noch nicht in den laufenden Betrieb integriert bzw. (noch) nicht relevant:

  1. Mehrfachverwendung von Kartons/Verpackungsmaterialien ist in Wuppertal deshalb kein Thema, weil wir hier weitestgehend in Tüten versenden, die der Einzelhändler dem Kurier in die Hand drückt, der sie dann wiederum taggleich zum Kunden bringt. Große Lebensmittelhändler sind noch nicht Teil der OCW-Händlerschaft. Sie könnten aber ohne Weiteres kühlpflichtige Produkte mit den Boxen-Lösungen der DHL realisieren.
  2. Emissionsarme/umweltfreundliche Lieferung ist in Wuppertal deshalb noch nicht umgesetzt, weil hier mit der DHL auf einen Logistik-Partner zurückgriffen wird, der überhaupt erst einmal die Wirtschaftlichkeit von Local-Commerce-Initiativen im Feldversuch abfragen möchte. In Wuppertal, der Hauptstadt der Elektromobilität, sollte es aber mittelfristig möglich sein, adäquate Last-Mile-Partner zu finden (Fahrradkuriere und E-Fahrzeuge). Nur so macht eine city-logistische Lösung für den Innenstadthandel wirklich Sinn!
  3. Online-Beratung (Chat, Video-Chat o.ä.) ist noch nicht umgesetzt worden, weil unser Infrastrukturgeber atalanda noch nicht die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen hat (aufgrund der Priorisierung der To Do’s) und weil sich nicht jeder Händler gleichermaßen im stationären Tagesgeschäft ausklinken kann für die Online-Beratung. Das Projektmanagement denkt aber über eine dachgesteuerte Online-Beratung nach. Die Finanzierung und personelle Organisation dieses Features ist allerdings im gegenwärtigen Projektstand nicht möglich.

In der Online City Wuppertal fungiert das sog. talKONTOR als Local Commerce Hub, Shop und Info-Zentrale. Retouren werden dennoch noch nicht über die zentrale Service-Stelle abgewickelt. Warum? Weil es noch keine gab bzw. wenn, dann werden sie über den Händler abgewickelt. Abrechnungstechnisch und konzeptionell bleibt dieser Baustein wie auch händlerübergreifende Warenkörbe mit einheitlichen Lieferkosten eine große Herausforderung, die es noch zu bewältigen gilt.