Vor kurzem hat das IFH Institut für Handelsforschung/ECC Köln seine Studie „Vitale Innenstädte 2016“ veröffentlicht. Wer sich für 850 Euro darauf einlassen kann, erfährt mehr über die Attraktoren der City.

Nach der auf 58.000 Befragungen basierenden Untersuchung lautet die Antwort auf den Strukturwandel „Ambiente und Flair“. Danach sehnen sich zumindest die befragten Bürgerinnen und Bürger, die ihren Städten im Schnitt die Note 3+ erteilten. Eine astreine Gymnasialempfehlung sieht freilich anders aus und wohl dem, der in der historischen Stadt Quedlinburg lebt!

Auch Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln, hätte gerne mehr Musterschüler unter den Städten:

„Der Veränderungsdruck durch den branchenspezifischen Strukturwandel im Handel, durch demografische Verschiebungen und durch die Digitalisierung nimmt zu. Mit einer drei plus als Schulnote können Städte, die sich für die Zukunft aufstellen möchten, nicht zufrieden sein. An jedem Standort stellt sich die Frage nach Lösungen, um drohenden Bedeutungsverlust zu vermeiden. Dies ist unabhängig von der Stadtgröße.“

Ja, haben denn die City-Manager und Stadtmarketing-Verantwortlichen geschlafen? Natürlich nicht! Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt nämlich, dass trotz Mittelaltermärkten, Weihnachtsbeleuchtung und Foodmeilen und trotz des „status-quo-freundlichen“ Forschungsdesigns des IFH der Handel nicht mehr die erste Geige in der City spielt. Zumal jeder fünfte der Befragten ohnehin schon weniger in die Stadt geht, weil Einkaufen und Shopping heute nur ein Klick weit entfernt ist. Mehr zur Studie hier »

Also bitte: Finden wir uns damit ab. Die Vertriebshoheit des stationären Handels ist endgültig vorüber –  neue Lösungen für alte Marktplätze sind gefragt. Sicherlich geht es nicht ausschließlich um digitale Antworten auf Probleme der Digitalisierung, aber um mehr Tiefenschärfe bei der Analyse von strukturellen Veränderungen. Mit ein bisschen Aufhübschen und mehr Aufenthaltsqualität (was heißt das schon?) ist es nicht getan.

So verwundert es jedenfalls nicht, dass der methodische Ansatz des Handelsforschungsinstituts sehr stark von der E-Commerce-Fraktion um Branchenanalyst Jochen Krisch kritisiert wird. Nach Meinung von Exciting Commerce wurde „gewohnt einseitig (und damit self-fulfilling im Sinne der Ausgangshypothese) befragt“. Mehr zur kritischen Rezension hier »