Das nationale Pilotprojekt „Online City Wuppertal“ und „Mönchengladbach bei Ebay“ haben deutlich gemacht, dass Städte, Kommunen und der lokale (inhabergeführte) Handel nicht mehr umhin kommen, sich über neue Wege der Einzelhandelsförderung, digitales Dachmarketing und Kundenbindung in Zeiten von Amazon, Google und Facebook Gedanken zu machen. Nun ruft die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen – namentlich Minister Garrelt Duin – auf, bis 14. Oktober 2016 Projektideen einzureichen, die „digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken“.

Mit einem Fördersatz von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben will man so über maximal 24 Monate prototypische Ansätze in ausgewählten Städten, Regionen und Kommunen NRWs fördern. Mit dem Projektaufruf wird ein Beschluss des Landtags vom 29. Juni 2016 umgesetzt, dem eine Anhörung im NRW-Landtag im April dieses Jahres vorausging. Dort wurde auch ich um Stellungnahme gebeten und konnte meine Erfahrungen aus gut drei Jahren Projektmanagement und -partnerschaft in der Online City Wuppertal einfließen lassen.

Ausdrücklich richtet sich der Aufruf nicht nur an den Einzelhandel, sondern an alle, „denen die Ortskerne am Herzen liegen“, so Minister Duin im Vorwort des Projektaufrufs. Der kooperativen Aufstand gegen Innenstadtverödung und Frequenzverluste soll also möglichst viele Standort-Akteure an einen Tisch bringen: Dienstleister, Gastronomen, Städtebau, Quartiersmanagement, Nahverkehr, Ehrenamt, Kommunalpolitik und Wirtschaft.

Dass dies vor allem eine Herausforderung für die Projektmanager und Moderatoren ist, mache ich nicht zuletzt auch in meinem Seminar „Kümmern 2.0“ deutlich, das im Herbst 2016 neu aufgelegt wird.

Erfreulich ist: Die Chancen des Internets für den lokalen Handel und damit für eine attraktive Innenstadt rücken zunehmend in den Vordergrund. So sind bspw. RoPo-Effekte (Research online/purchase offline) durch eine erhöhte Sichtbarkeit von lokalen Angeboten im www längst nachgewiesen. Verbände, Händlergemeinschaften, Politik und Wissenschaft erkennen immer mehr, dass das „Betriebssystem“ Stadt vor dem Hintergrund der Digitalisierung derzeit umgeschrieben wird. Der Strukturwandel im Einzelhandel verschärft sich und neue Ideen für alte Marktplätze sind gefragt.

Ziel der NRW-Landesregierung ist es, mit guten Ideen „die Potenziale des Einzelhandels und der Kommunen beim digitalen Wandel auszuschöpfen“. Bleibt zu hoffen, dass das Gutachtergremium die Spreu vom Weizen trennen kann. Der vom Land beauftragte Projektträger und -koordinator ist ETN (Projektträger Energie · Technologie · Nachhaltigkeit), der am Forschungszentrum Jülich angesiedelt ist.