Neben einem Facelift im Frontend des lokalen Online-Marktplatzes von atalanda, das vor allem durch großformatige Händlerportraitbilder getragen wird, hat das Unternehmen mit neuem Sitz in Freilassing vor allem die Checkout-Prozesse für alle Marktplatz-Teilnehmer optimiert. Insbesondere können nun deutschlandweit Online-Bestellungen angenommen, aber eben auch ausgeschlossen werden. Gleichzeitig zu den Lieferoptimierungen wurde mit der Kreditkarte auch eine weitere Zahlungsoption eingeführt.

Seit Dezember 2016 versenden beispielsweise die Wuppertaler Händler des atalanda-Marktplatzes Pakete in die gesamte Republik, wenn die entsprechenden Produkte für den nationalen Versand markiert wurden. Die Bestellrate ist konsequenterweise bei einigen Händlern massiv gestiegen. Zuvor war lediglich die Abwicklung für den lokalen Versand per Kurier, die taggleiche Lieferung eingeschlossen, möglich.

Click & Collect-Bestellungen waren zwar schon jenseits der Stadtgrenzen über die Plattform möglich, dem nationalen Versand standen jedoch technische und konzeptionelle Hürden entgegen.

Vier dieser bisherigen Hürden gilt es zu erläutern:

1) Nachrüstung eines gewachsenen Shop-Systems, das „nicht von der Stange“ kommt

Bildquelle: atalanda.com (screenshot, LocalCommerce.info)
Auf der Produktseite müssen nun mehr Infos zu den Lieferoptionen untergebracht werden (Bildquelle: atalanda.com; screenshot, LocalCommerce.info)

Technisch wurde nun die Möglichkeit, Bestellungen jenseits des Standorts der Händlergemeinschaft über die Plattform abzuwickeln, von atalanda nachgerüstet. Diese Optimierung gleicht im Falle eines gewachsenen IT-System dem „Eingriff am offenen Herzen“. Bis dato wickelten die Händler nicht-lokale Bestellungen per Telefon oder E-Mail ab. Diese gingen ja aufgrund der guten Suchmaschinenpositionierung zwangsläufig bei dem einen oder anderen Händler ein. Kunden jenseits von Wuppertal waren demzufolge enttäuscht, wenn sie begehrte Produkte nicht – wie online gelernt – ganz einfach auch online über den atalanda-Marktplatz bestellen konnten.

Den rein technischen Umstellungen folgten auch konzeptionelle Neujustierungen. So ist nun nicht mehr nur die taggleiche Lieferung für alle Bestellungen gesetzt, sondern es stehen drei Lieferoptionen zur Auswahl: Selbstabholung (Click & Collect), lokale (taggleiche) Lieferung oder eben der nationale Versand.

Schon in der Produktübersicht werden die Lieferoptionen kommuniziert (Bildquelle: atalanda.com; screenshot, LocalCommerce.info)
Schon in der Produktübersicht werden die Lieferoptionen kommuniziert (Bildquelle: atalanda.com; screenshot, LocalCommerce.info)

Dies führt allerdings unweigerlich zu einer Komplexitätssteigerung in den Checkout-Prozessen des Multi-User-Shops mit einem händlerübergreifenden Warenkorb und möglicherweise unterschiedlichen Lieferbedingungen einzelner Online-Verkäufer. Außerdem wird das taggleiche Lieferversprechen aufgeweicht bzw. es kann nicht mehr stringent „durchkommuniziert“ werden. Zur Erinnerung: Zum Start des lokalen Online-Marktplatzes in Wuppertal war die taggleiche Lieferung im E-Commerce noch wirklich etwas besonderes – ein USP.

2) Der nationale Versand über atalanda ist weniger „bequem“

Taggleiche Lieferungen werden über die Logistik-Partner eines Standortes ermöglicht. Der Kurier holt also die Sendungen im jeweiligen Geschäft ab und bringt sie – wenn nötig – konsolidiert und routenoptimiert zum lokalen Kunden. Eine Abholung der Ware durch Kuriere ist bei nationalen Bestellungen nicht bzw. nicht mehr zu einem lokal kalkulierten Preis (auf atalanda noch im letzten Jahr 5,95 Euro brutto) möglich. Nach wie vor freilich können Händler ihre Lieferkosten beliebig subventionieren. Sie müssen nun allerdings auch Pakete packen – vorher war weitestgehend der Versand in Tüten möglich – und selbst zur Post bringen.

Das gefällt nicht jedem, gehört aber natürlich zum Zukunftsgeschäft. Damit bricht atalanda jedoch ein wenig mit seiner Philosophie, E-Commerce-Prozesse in den Tagesablauf des stationären Händlers zu weben anstatt sie ihm „überzustülpen“. Gegenüber LocalCommerce.info äußerte sich atalanda-Geschäftsführer Roman Heimbold jedoch zuversichtlich: Eine „zentrale Organisation“ der nationalen Lieferungen sei in Zukunft nicht ausgeschlossen.

Ohnehin wird ja kein Händler davon angehalten, selbst auf nationalen oder internationalen Marktplätzen wie Amazon oder Ebay zu verkaufen (einige Händler tun dies auch in sehr relevanten Umsatzgrößen) oder einen eigenen Online-Shop aufzubauen. Im Gegenteil: Der Hilfe-zur-Selbsthilfe-Gedanke, der insbesondere im Wuppertaler Pilotprojekt Online City Wuppertal verfolgt wurde, sollte vor allem Händlern mit wenig Digital-Erfahrung die Entscheidung über mehr Engagement auf Online-Marktplätzen erleichtern. Dazu zählt freilich auch eine bewusste Entscheidung gegen oder für eine Präsenz auf internationalen Marktplätzen.

3) Nicht alle Händler wollen, können oder „dürfen“ national versenden

Ein sehr wichtiger Punkt betrifft die Kanalbeschränkung. Einige Händler haben zwar die „Genehmigung“ der Lieferanten, lokal online zu verkaufen, nicht jedoch (inter)national. Diese Kanalbeschränkung ist rechtlich zwar nicht haltbar, gehört aber zum „Deal“ zwischen Lieferant/Hersteller und Händler, der unter Umständen Produktdaten und -bilder über den Lieferanten/Hersteller bezieht. Wichtig dabei ist nun, dass die Lieferoptionen für jedes gelistete Produkt separat festgelegt werden können.

4) Aufweichung des Local-Faktors zieht preisgetriebeneren Online-Wettbewerb nach sich

Über diesen Punkt lässt sich sicherlich am meisten streiten. Es gibt schlicht und ergreifend noch zu wenig Erfahrungswerte. Die „Gefahren“ eines (inter)national offenen lokalen Online-Marktplatz mit Blick auf andere Local-Commerce-Konzepte liegen jedoch auf der Hand: Einzelne Städte und deren Händler könnten sich nun tendenziell auf der Preisebene begegnen. Die Online/offline-Preisübereinstimmung, die momentan gilt, wird im (inter)nationalen E-Commerce-Umfeld nur schwer zu halten sein.

Beispielsweise stünde der Haushaltswarenhändler in Wuppertal dann nicht nur mit Amazon & Co. im Preiskampf, sondern auch mit den Haushaltswarenhändlern in Solingen, Düsseldorf oder Attendorn, die es sich – aus welchen Gründen auch immer – leisten können, stark rabattiert Produkte online anzubieten. Voraussetzung wäre natürlich, alle Händler sind vergleichbar auf dem Online-Markplatz von atalanda unterwegs. Allerdings unterbindet atalanda bewusst noch den maschinengenerierten Online-Preisvergleich wie er etwa auch auf eBay oder Amazon möglich gemacht wird.

Hinzu kommt außerdem: Die Retourenquote wird mit dem nationalen Versand voraussichtlich steigen. Dies liegt in der Natur der Sache. Bisher – im lokalen Kontext – liegt die Retourenquote im homöopathischen Bereich. Besser noch: Retouren sind mitunter Frequenzbringer für das stationäre Geschäft, weil Kunden der Nähe wegen direkt zum Händler gehen, um Waren umzutauschen oder zurückzugeben.

Fazit: Auch der Online-Kunde ist König

Es ist natürlich betriebswirtschaftlicher Unsinn – sowohl für atalanda (Umsatzbeteiligung) als auch für den Händler (relevanter Online-Umsatz mit nicht-lokalen Kunden) – den Checkout des Online-Marktplatzes nicht für nationale (und künftig gar internationale) Bestellungen aufzubrechen. Kommunikativ im Vordergrund (d. h. auf der Startseite des Marktplatzes) sollte aber deutlich werden, dass der lokale Online-Marktplatz vor allem ein „lokales Kaufkraftbindungsmittel“ ist und in erster Linie die Konsumbevölkerung vor Ort für den ansässigen Handel gewinnen möchte – zumal die RoPo-Effekte (research online, purchase offline) ohnehin im Vordergrund stehen.

Dem Marktplatz-Kunden freut es so und so: Bis auf weiteres werden nämlich bei Bestellungen über atalanda.com keine Lieferkosten in Rechnung gestellt. So macht lokales Online-Einkaufen doppelt Spaß. Und insbesondere den einen oder anderen Buchhändler auf der Plattform wird es freuen. Denn mit Libri und KNV wurden wichtige Mediengroßhändler an den Online-Marktplatz angebunden. In Wuppertal sind so mittlerweile über 840.000 Produkte gelistet. In der weitaus kleineren Stadt Attendorn immerhin 680.000.

Einen Wehrmutstropfen allerdings gibt es: Längst noch nicht machen alle Händler von der nationalen Vertriebsmöglichkeit Gebrauch, obwohl keine technischen Hürden im Weg stehen – lediglich müssen Änderungen am Product-Feed bzw. an den eingepflegten Produktdaten vorgenommen werden. Dazu fehlt manchem die Zeit, mitunter jedoch auch immer noch das Know-how.

atalanda ist mittlerweile in acht deutschen Städten als Infrastrukturgeber von digitalen Initiativen aktiv.