© Einzelhandelslabor Südwestfalen
© Einzelhandelslabor Südwestfalen

Die Digitalisierung in Stadt, Region und Handel ist ein Dauerthema. Auch die IHKs als Selbstverwaltungskörperschaften der lokalen bzw. regionalen Wirtschaft sind wichtige Akteure in der Auseinandersetzung mit dem Strukturwandel. Aber haben sie tatsächlich Lösungsansätze zu bieten? Die IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland und die Südwestfälische IHK zu Hagen jedenfalls unternehmen bisher wohl die konkretesten Anstrengungen in Sachen Local Commerce. Sie sind Projektpartner des EFRE-geförderten „Einzelhandelslabors Südwestfalen“. Dessen Ziel ist es, „den stationären Einzelhandel mit Workshops und Wissensvermittlung für eine eigene Cross- oder Omni-Channel-Strategie langfristig zu stärken“

Viel wurde in den vergangenen Jahren diskutiert, erprobt, gestritten und verworfen. In Rathäusern und Interessengemeinschaften, in City-Management- und Stadtmarketingorganisationen ebenso wie in Verbünden & Verbänden des Einzelhandels. Auch die IHKs sind redlich bemüht, ihren Beitrag als Sprachrohr der lokalen Unternehmer und des Handels zu leisten. Dennoch sind die Ansätze in den regional verankerten Körperschaften recht unterschiedlich. Eine klare Positionierung der Dachorganisation DIHK ist ebenso wenig zu erkennen wie man alle IHKs über einen Kamm scheren könnte.

Dies macht sich alleine dadurch bemerkbar, dass auf den jeweiligen Internetauftritten entweder wenig dezidierte Information zur Digitalisierung im Handel und allenfalls allgemein gehaltene Leitfäden vorgehalten werden oder sich unter dem Menü „Digitale Wirtschaft“ ein umfangreiches Tableau an Beratungs- und Service-Angeboten ausbreitet, das von Industrie 4.0 über IT-Sicherheit bis zum Online-Handel reicht.

Dicke Bretter bohren – aber mit Fördergeldern

Das „Einzelhandelslabor Südwestfalen“, das maßgeblich von der IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland und der Südwestfälischen IHK zu Hagen vorangetrieben wird, setzt einen sehr positiven Akzent – hat man doch erkannt, dass es vor allem um Wissensvermittlung, um den Abbau von Ängsten und um einen längerfristig moderierten Prozess der Veränderung des stationären Handels geht. Dazu EU-Fördertöpfe anzuzapfen ist sicherlich kein Verbrechen, zumal auch in Südwestfalen dicke Bretter gebohrt werden müssen, um den Einzelhändler von den Chancen des Internets zu überzeugen.

Das Projekt besteht seit April 2016 und läuft insgesamt drei Jahre. In der ersten Projektphase wurden Modellkommunen ausgewählt, um dort das Kundenverhalten und den Digitalisierungsgrad des örtlichen Einzelhandels zu untersuchen. Seit Anfang 2017 finden eine Reihe von Workshops statt. Einer davon widmete sich dezidiert lokalen Shopping-Plattformen. In diesem Rahmen steuerte das Competence Center eCommerce (CCEC), ein weiterer Projektpartner des Einzelhandelslabors, nicht zuletzt die Studie „Lokale Shoppingplattformen 2016“ bei.

Begleitende Erhebungen wie eine Händlerbefragung geben aufschlussreiche, aber auch sehr bedenkliche Hinweise zum Stand der Digitalisierung im südwestfälischen Einzelhandel. Bedenklich deshalb, weil vor allem die Haltung gegenüber der Thematik alles andere als progressiv zu sein scheint und nur rund 12 % der 208 befragten Händler den „Druck der Kunden“ spüren. Ist die Digitalisierung etwa ein Phantomschmerz?

Theorie & Praxis unter einem Hut

Das „Einzelhandelslabor Südwestfalen“ ist aber nicht nur ein Forschungslabor und Veranstalter von Fortbildungsveranstaltungen. Mit einer „Suchmaschine für Kreativ-Läden“ etwa hat man auch eine Datenbank entwickelt, die es interessierten Kunden möglich macht, einzigartige Produkte in Südwestfalen zu finden. Die Suchmaschine ist nicht nur auf der Service-Seite des Labors eingebunden, sondern wird bereits auf der Website der Wirtschaftsförderungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Menden sowie auf den lokalen Nachrichtenportalen lokalstimme.de und guten-tach.de eingebunden. Sicherlich wird die Nutzung der Suchmaschine auch ausgewertet und man darf ehrliche Erkenntnisse über ein derartiges Werkzeug für den lokalen Handel erwarten.

Neben den genannten IHKs und dem Competence Center eCommerce (CCEC) sind die Universität Siegen, das Forschungsinstitut für Regional- und Wissensmanagement und 27 südwestfälische Kommunen Partner bzw. Teilnehmer des Projektes.

Mehr dazu: www.einzelhandelslabor.de