Über 60 Prozent aller Online-Bestellungen in Österreich werden aus dem Ausland zugestellt. Darauf reagiert die österreichische Post AG nun mit einem Online-Marktplatz „Made in and for Austria“, der sich an die heimische Kundschaft richtet und auf dem nur österreichische Händler verkaufen.

Mit 63 Händlern ist shöpping.at Anfang April 2017 gestartet. Darunter finden sich bekannte und weniger bekannte stationäre Händler der Alpenrepublik genauso wie auch reine Online- bzw. Versandhändler (z. B. hygiene-shop.eu) oder Produzenten (z. B. die Sennerei Langenegg).

Nach eigenen Angaben sind derzeit über 500.000 Artikel auf dem Online-Marktplatz zu finden. Das müssen freilich mehr werden, aber immerhin kam der Betreiber, die Post E-Commerce GmbH, nach einem zähen Start nun endlich in die Puschen. IT-Partner ist das Grazer Unternehmen NETCONOMY.

Vom nationalen zum lokalen Online-Marktplatz – die Post hat digitale Initiativen aus Städten und Regionen auf dem Schirm

Für LocalCommerce.info besonders wichtig: Auf shöpping.at sollen künftig auch „regionale Sub-Plattformen“, so die Wortwahl in der Pressemitteilung, Unterschlupf finden. Das können Einkaufsstraßen, Kommunen oder ganze Regionen sein. Somit bietet sich die Infrastruktur auch für digitale (City-)Initiativen an.

Auch wenn sich die Post ein klein wenig als Entwicklungshelfer des österreichischen Online-Handels geriert, ist doch auch offensichtlich, dass der Marktplatz, der ohne Grundgebühren auskommt, sondern lediglich über Umsatzprovisionen getragen werden soll, auch das Logistik-Geschäft ankurbeln soll. Post-Generaldirektor Dr. Georg Pölzl:

„Als größter Paketdienstleister in Österreich ist die Post seit Jahren ein wesentlicher Partner des Handels auf seinem Weg in Richtung E-Commerce. shöpping.at soll den österreichischen Handel nachhaltig bewegen und neue Umsatzchancen öffnen. Und die Wertschöpfung bleibt in Österreich.“

Bisher wird nur innerhalb Österreichs versendet. In der Pressemitteilung gibt die Post zu, dass noch einige Hausaufgaben (z. B. PayPal-Integration oder Rechnungskauf) zu machen sind. Mit der kostenfreien Lieferung ab 33 Euro Warenkorbwert kommt man den Kunden aber entgegen. Die taggleiche Lieferung schlägt allerdings mit marktüblichen 9,90 Euro zu Buche. Natürlich stehen aber auch die Filialen und Paketstationen der österreichischen Post als alternative Abholorte der Sendungen zur Verfügung.

Fazit: Zeit für organisches Wachstum geben

Vorschusslorbeeren gab es in der österreichischen Presse leider keine. Dennoch sollte man den Versuch, Amazon, Zalando, eBay & Co. einen kleinen Marktanteil abzuringen nicht vorschnell verurteilen. Reichweite und Relevanz dürften für das Logistikunternehmen das geringste Problem sein. Es handelt sich quasi um ein Kundenumerziehungsprogramm – sowohl in B2C- als auch in B2B-Beziehung.