Etwas mehr als ein Jahr nach der Gründung der Buy Local – Erlebe Deine Stadt eG ist auch schon wieder Schluss. Der Pressemitteilung zufolge hielt sich das Engagement der Volks- und Raiffeisenbanken im genossenschaftlichen Ableger der Buy-Local-Initiative in Grenzen. Der eingetragene Verein Buy Local e. V. bleibt weiterhin bestehen, sucht nun aber nach Finanzierungsmöglichkeiten und neuen Partnern für die nationale Sensibilisierungskampagne.

Wie die bundesweite Qualitätsoffensive für den lokalen inhabergeführten Handel, Handwerker und einige Dienstleister operativ also weiterbetrieben werden soll und wie schlagkräftig sie in Zukunft sein wird, bleibt abzuwarten. „Vereinsvorstand Michael Riethmüller und Geschäftsführerin Ilona Schönle wurden nun seitens der Mitgliederversammlung beauftragt, geeignete Allianzen und Partnerschaften auszuloten und entsprechende Gespräche zu führen“, heißt es in der Pressemitteilung vom 17. August 2017.

Ehrlicherweise muss man attestieren, dass es in den vergangenen Monaten ohnehin recht ruhig um „Buy Local“ wurde. Der Elan, der mit einem vermeintlich „supergeilen“ Video von Friedrich Liechtenstein und selbstironischen Postkarten-Slogans wie „Nur noch kurz die Welt retten?“ zu spüren war, blieb anscheinend im organisatorischen Klein-Klein und im Ringen um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Initiative stecken.

Auch haben ähnlich gelagerte, in der Substanz aber weitaus „oberflächlichere“ regionale Initiativen wie „Heimat shoppen“ und diverse Kampagnen von regional aufgestellten Verlagen sicherlich nicht dazu beigetragen, dass man merklich über Süddeutschland hinaus Buy-Local-Mitglieder akquirieren konnte. Es mag manchmal einfach nur daran liegen, dass für einen weiteren Moral-Aufkleber an der Ladentüre kein Platz mehr ist. Kaufkraftbindung mit erhobenem Zeigefinger alleine jedenfalls wird es nicht richten, wie ich bereits im Local Commerce Manifest (These 14) festgehalten habe.

Fatal wäre es in diesem Sinne auch, wenn sich unter den Buy-Local-Mitgliedern und -Förderern Müdigkeit breitmachen würde. Denn dann wird es sogar schwer, „nur“ einen bundesweiten Verein am Leben zu halten. Diesem Worst-Case-Szenario müsste der Verein schnellstens entgegentreten. Genau das aber würde die Mühe eines jeden einzelnen Mitglieds erfordern, das – sicherlich nicht zum ersten Mal – in den Interessengemeinschaften vor Ort die Werbetrommel für die Buy-Local-Idee zu rühren hätte.

Im Endeffekt werden es spürbare, d. h. messbare Erfolge des lokalen Handels und Gewerbes sein, die jenseits gut gemeinter Rhetorik für oder gegen Buy Local sprechen: Mehr Frequenz, stabile stationäre Umsätze und höhere Online-Einnahmen, im Mindesten aber steigende RoPo-Effekte. Schützenhilfe bekommt der stationäre Einzelhandel gerade ausgerechnet vom Kartellamt, dessen Präsident Andreas Mundt in der FAZ mit folgenden Worten zitiert wird: „Wenn wir die Innenstädte retten wollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass auch die kleinen Einzelhändler ihre Chancen im Netz nutzen können. Wenn sie auf Dauer überleben sollen, brauchen sie mit ziemlicher Sicherheit Einnahmen aus dem E-Commerce.“ Dabei geht es Mundt vor allem um die rechtliche Auslegung exklusiver Vertriebskooperationen zwischen Markenartikel-Herstellern und großen Internetplattformen.

Eichhörnchen sind ja bekanntermaßen ziemlich robuste Tierchen. Auch auf diesen Charakterzug müssen sich jetzt die engagierten Gründer und der Vorstand von Buy Local besinnen.