Fünf deutsche Städte sind auserwählt, um sich in einem Finale um das beste Konzept zur „Digitalen Stadt“ zu messen. Der Wettbewerb wurde vom Verband der Digitalwirtschaft Bitkom e.V. in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) initiiert.

Was ist die „digitale Stadt“ und was kann sie überhaupt leisten? Die Agenden von Kongressen und Symposien landauf landab sprechen eine deutliche Sprache: die digitale Stadt ist bisher eher eine Kampfvokabel unterschiedlichster Interessensgruppen als gelebte Praxis, tendenziell ein Trial-and-Error-Verfahren als eine stabile Konstruktion, mehr gewollt als etabliert. Die „digitale Stadt“ schreibt man sich gerne in Koalitionsverträge.

Sie ist aber gelebte Urbanität je mehr das Internet zum selbstverständlichen Begleiter des Alltags von Menschen avanciert. Wir können im Moment (noch) nicht sagen, was eine gute oder eine schlechte „digitale Stadt“ ist. Aber wir können lernen, mit der Digitalisierung umzugehen, sie einzuordnen, App-Hypes und immer kürzere Endgerätezyklen von substantiellen Veränderungen im Mediennutzungs- und Konsumverhalten zu unterscheiden.

Und Verbände können Modellstädte in Wettbewerbszusammenhänge und damit Schwung in die Digitalisierung auf kommunaler Ebene bringen. Wenn dann noch Finanzierungsmöglichkeiten für die Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen gegeben sind, um so besser. Dies ist Ausgangslage und Intention beim Wettbewerb „Digitale Stadt“ von Bitkom und DStGB.

Auf der Suche nach einem Leuchtturmprojekt

Aus 14 Bewerberstädten zwischen 86.000 und 156.000 Einwohnern setzten sich nun Darmstadt, Heidelberg, Kaiserslautern, Paderborn und Wolfsburg durch. Sie alle werden in einer „Individualisierungsphase“ an Konzepten zum Ausbau digitaler Infrastrukturen, Services und Lösungen im städtischen Umfeld arbeiten und sie durch ihre Oberbürgermeister am 31. Mai 2017 in Berlin vorstellen lassen.

Nur eine davon aber wird dann als „digitale Modellstadt (…) anderen Kommunen im In- und Ausland als Vorbild bei eigenen Digitalisierungsprojekten dienen“, so zumindest erhofft es sich der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Bei einem erfolgreichen Abschneiden im Wettbewerb winken Gelder, die die Projektpartner des Wettbewerbs nach Auskunft der Bitkom bereits „in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt“ haben.

Auch Lösungen für den lokalen Handel stehen auf der Agenda

Zu den Projektpartnern aus der Digitalwirtschaft zählen folgende Unternehmen: Deutsche Telekom, Hewlett Packard Enterprise, SAP, Software AG, Vodafone, Autodesk, Civocracy, Deutsche Bahn AG, DJI, DocMorris, DPD Dynamic Parcel Distribution, eBay, eluminocity, embeteco, Intel, Kathrein, Little Bird, m.Doc, nebenan.de, PTV Group, Roland Berger, Samsung, Speed4Trade, vitaphone.

Da es im Rahmen einer wie auch immer verstandenen digitalen Stadt neben Systemen für die Verkehrssteuerung oder Anwendungen für das Gesundheitswesen auch um, wie es in der Pressemitteiliung der Bitkom heißt, „innovative Lösungen für den lokalen Handel“ geht, wird LocalCommerce.info sehr genau beobachten, welche infrastrukturellen Grundlagen und vertriebliche sowie city-logistische Ansätze die Gewinnerstadt vorlegt.

Mit eBay ist ja auch ein gewichtiger Online-Handelsinfrastrukturgeber als Projektpartner an Bord. Der Konzern verkündete unlängst auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Handelsverband Deutschland (HDE), Händler einer Stadt über einen „digitalen City Hub“ bald einfach an den eBay-Marktplatz anbinden zu können.

Bei einem „Nationalen Digitalgipfel“ im Juni 2017 soll bekannt gegeben werden, welcher der fünf Finalteilnehmer in die konkret begleitete Umsetzung gehen darf. Mit ersten Anwendungen wird im nächsten Jahr gerechnet.

Keine ostdeutsche Stadt unter den Finalisten

Es fällt auf, dass alleine drei Städte aus dem Südwesten Deutschlands dabei sind. Mit SAP (Walldorf) und der Software AG (Darmstadt) haben zwei Projektpartner ihre Unternehmenssitze in unmittelbarer Nähe einer Finalisten-Stadt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber schade ist es dennoch, dass auch unter den 14 Bewerbern der Ausschreibung nur Jena und Cottbus aus den neuen Bundesländern stammen. Darüber hinaus zogen die Städte Bergisch Gladbach, Bremerhaven, Göttingen, Gütersloh, Konstanz, Ludwigsburg und Ratingen den Kürzeren bei der Finalisten-Wahl der Jury.

Die Jury rekrutiert sich aus der Bitkom sowie Vertretern von Hewlett Packard Enterprise, SAP, Software AG, Telekom und Vodafone. Der DStGB stand der Jury beratend beiseite und brachte seine kommunalfachliche Expertise ein.