Neben NRW zählt Bayern zu den agilsten Bundesländern bei der Förderung von digitalen City-Initiativen. Im Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ durchlaufen derzeit drei ausgewählte Kommunen ein Coaching-Programm: Coburg, Günzburg und Pfaffenhofen. Das Schaufenstermodell „GoCoburg“ ist bereits im Verzeichnis von LocalCommerce.info gelistet. Die letzteren beiden Städte haben sich nun – unabhängig voneinander – für die atalanda GmbH als Infrastrukturgeber und damit für ein Marktplatzmodell à la Online City Wuppertal entschieden. Bereits in diesem Sommer werden die digitalen City-Initiativen damit online gehen.

Bedeutsam ist die Entscheidung alleine deshalb, weil die Modellstädte umfangreich in Zwischen- und Endberichten den Verlauf, die Herausforderungen und Erfolge der Maßnahmen dokumentieren und kommentieren. Mittlerweile liegt der dritte Zwischenbericht vor (PDF-Download).

Auch die Betreuung der Modellkommunen durch etablierte Beraterfirmen aus Handel, City-Management und Stadtmarketing gibt der Entscheidung der Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen vor Ort ein großes Gewicht. Neben der CIMA Beratung + Management GmbH, die als Konsortialpartner Coburg betreut, kommen in der Kleinstadt Günzburg die Elaboratum GmbH/New Commerce Consulting zum Einsatz, in der oberbayrischen Kreisstadt Pfaffenhofen ist es die BBE-Handelsberatung GmbH.

Online-Marktplatz mit Shopinfrastruktur und Schaufenstermodell in einem

atalanda selbst betritt mit der Beteiligung ebenfalls Neuland, schließlich wird man nicht nur klassische Marktplatz-Profile in einem Multi-Vendor Online-Shop möglich machen, sondern auch Online-Schaufenster ohne Verankerung in der Produktwelt. Dies bedeutet für atalanda zwangsläufig eine Anpassung und Erweiterung von Struktur und Features des gegenwärtigen Online-Marktplatzes. Mit der Integration eines Event-Kalenders hat man bereits jetzt erste Schritte unternommen, auch den Anforderungen von Dienstleistern und Gastronomen stärker Rechnung zu tragen.

In Günzburg haben die Vorbereitungen für den Marktplatz-Start bereits begonnen. Nikola Tesch, Projektleiterin der Cityinitiative Günzburg, formuliert das gemeinsame Ziel: „Wir möchten im Juli starten. Wir schulen die Händler und unterstützen sie dabei, ihr Unternehmen sowie ihre Produkte professionell online darzustellen. In unserem Eventkalender kann der Besucher auf einen Blick sehen, was in Günzburg geboten wird.“

Philipp Schleef, Projektleiter der Stadt Pfaffenhofen, hat gemeinsam mit den Händlern eine andere Vorgehensweise gewählt: „Wir werden in zwei Phasen starten. Im ersten Schritt gehen wir mit den Schaufenster-Profilen online, damit die Händler eine digitale Heimat bekommen. Danach werden wir mit der Befüllung des Marktplatzes beginnen.“

Wahl von atalanda unterstreicht abermals die Orientierungsfunktion der „Online City Wuppertal“

Zudem scheint atalanda mittlerweile einen Vertrauensvorschuss bei den Entscheidungsträgern und Akteuren vor Ort zu genießen. Im Fortschrittsbericht zu Pfaffenhofen heißt es, atalanda konnte unter anderem „durch seine Angaben zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell und die permanente technische Weiterentwicklung des Systems überzeugen“.

Bald um zwei Standorte reicher – die White-Label-Lösung von atalanda für lokale Online-Marktplätze (Quelle: screenshot atalanda.com, AH)
Bald um zwei Standorte reicher – die White-Label-Lösung von atalanda für lokale Online-Marktplätze (Quelle: screenshot atalanda.com, AH)

Der Infrastrukturgeber, der vor allem mit dem nationalen Pilotprojekt „Online City Wuppertal“ erstmals auf sich aufmerksam gemacht hat, ist auch nur in Bayern gewiss nicht der einzige Marktplatztechnologieanbieter – siehe alle gelisteten digitalen Initiativen in diesem Bundesland – und sicherlich wäre es dem Erkenntnisgewinn der Landesinitiative zuträglich gewesen, an drei Standorten drei unterschiedliche Infrastrukturgeber zu installieren. Aber das „Local Commerce Alliance“-Mitglied der ersten Stunde atalanda hat offenbar als besserer Lösungsanbieter überzeugt.

Außerdem rücken mit Günzburg und Pfaffenhofen abermals relativ kleine Städte mit 20.000 bzw. 25.000 Einwohnern ins atalanda-Portfolio, was wiederum die Vorbildfunktion der atalanda-Lösung für viele andere Kommunen auch jenseits von Bayern unterstreicht. Es zeigt zudem, dass lokale Online-Marktplätze à la Wuppertal keine Speziallösungen alleine für Großstädte sind.

Veränderungsmanagement in beiden Städten im vollen Gang

In Günzburg wie in Pfaffenhofen, aber auch in Coburg, sind Schulungen und Fortbildungen ein zentraler Baustein des Gesamtprozesses. Auch damit folgen sie weitestgehend dem Modell Wuppertal.

„Besser Daheim“ Infografik (Quelle: WSP Pfaffenhofen)
„Besser Daheim“ Infografik (Quelle: WSP Pfaffenhofen)

Außerdem hat die Stadt Günzburg erkannt, dass es ohne einen „Kümmerer 2.0“, der die Organisation des lokalen Online-Marktplatzes unterstützt, nicht funktionieren kann. So bekam man nach Antrag auf Gewährung einer Zuwendung vom Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sogar ausnahmsweise eine Förderung bewilligt. Eine externe Mitarbeiterin ist nun seit Mitte März 2017 im Einsatz. 50 Stunden im Monat soll laut drittem Zwischenbericht deren Zeitkontingent für die digitale Initiative betragen. Auch diese Maßnahme gibt vielen Städten wichtige Hinweise zum Moderations- und Akquiseaufwand im Rahmen von lokalen Digital-Initiativen.

Sobald die Online-Marktplätze unter den Marken „Wir in Günzburg“ und „Besser daheim“ (siehe Abb.) im White-Label-Konstrukt von atalanda erscheinen, werden sie auch im Verzeichnis der digitalen (City-)Initiativen auf dieser Website gelistet und portraitiert.

Über die Initiative „Digitale Einkaufsstadt Bayern“

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie
Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie

Die „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ ist eine Initiative des bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie für den mittelständischen Einzelhandel. Aus 36 Bewerberstädten wurden drei ausgewählt, die noch bis Anfang 2018 professionelle Beratung und Betreuung erfahren. Sie werden so bei ihrem Vorhaben unterstützt, sich zu innovativen, digitalen Einkaufsstädten zu entwickeln. Zentrales Ziel ist es, in den betreffenden Standortgemeinschaften lokale Online-Marktplätze oder zumindest Online-Kommunikationsmodelle für das lokale Gewerbe zu etablieren. Die Ergebnisse des Modellprojekts können im Anschluss bayernweit genutzt werden.